Payment-Trends in der Coronakrise: Interview mit Christine Bauer von CCV.

von Florian Treiß am 07.April 2020 in Highlight, Interviews, News, Payment

Galt Deutschland lange als Mekka des Bargelds, so erlebt kontaktloses Bezahlen mit Karte, Smartphone oder Smartwatch seit Ausbruch der Coronakrise einen nie dagewesenen Push: „Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Effekt auch nach der Krise anhalten wird, weil wir als Gesellschaft mehr auf Hygiene achten werden und müssen“, sagt Christine Bauer. Sie ist Chief Commercial Officer des Zahlungsdienstleisters CCV, der in Deutschland seit 25 Jahren aktiv ist und u.a. eigene Zahlungsterminals entwickelt. Im Interview spricht Christine Bauer über Payment-Trends während der aktuellen Coronakrise.

Frau Bauer, CCV ist sowohl in Deutschland als auch international schon sehr lange am Markt – wie bewerten Sie diese Krise im Kontext zu andereren, schon überstandenen Stürmen?

Christine Bauer: Ich selbst bin bereits seit über 20 Jahren bei CCV und kann mich an nichts vergleichbares erinnern. Wir wurden alle mehr oder weniger kalt erwischt und – ich denke, das geht den meisten so – aus der Komfortzone gerissen. Der Handel ist unser Herz, unsere DNA, wir leiden seit dem ersten Tag der Schließungen mit. Eine Situation mit derart weitreichenden Folgen hatten wir noch nie.

Was würden Sie Händlern aktuell raten?

Christine Bauer: Ohne mit Platitüden ankommen zu wollen: Eindeutig durchhalten und mit neuen Ideen, sofern möglich, neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen. Wir bieten beispielsweise für unsere direkten Kunden unseres kaufmännischen Netzbetriebs einen Wechselservice von stationären auf mobile Terminals an, der sehr gut angenommen wird. Auch unser CCV Shop wird stark nachgefragt, also das schnelle Erstellen eines Onlineshops um online Waren an die Kunden anbieten zu können. Wir sehen, dass die Händler und Gewerbetreibenden alles tun, um geschäftsfähig zu bleiben und dabei wollen wir bestmöglich unterstützen.

Wie geht CCV selbst mit der Krise um?

Christine Bauer: Wir haben unsere Fertigung auf Zwei-Schichtbetrieb umgestellt und gemeinsam mit unseren Zulieferern Notfallpläne aufgestellt, um schnell reagieren zu können. Via Newsletter versuchen wir unsere Kunden über unsere Sonderservices zu informieren und auch mit Tipps z.B. zur Desinfektion der Terminals zu versorgen.

Wie glauben Sie, wie wird sich die Paymentlandschaft nach der Krise verändern? Was bleibt, was geht?

Christine Bauer: Die Frage nach dem „danach“ beschäftigt alle Branchen. Für uns als Paymentanbieter könnte ein positiver Aspekt sein, dass kontaktloses Bezahlen aktuell einen großen Schub erfährt. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Effekt anhalten wird, weil wir als Gesellschaft mehr auf Hygiene achten werden und müssen. Anbieter, die auf Onlinevertrieb umgestellt haben, werden dies auch zukünftig beibehalten, so dass wiederum wir als Verbraucher mehr Einkaufs- und Wahlmöglichkeiten beim Shopping haben werden. Auch das Thema Lieferservices im Bereich Food erlebt momentan einen Boom, der – sofern sich dies als bequem und nützlich im „normalen“ Alltag erweist – sicherlich ebenfalls beibehalten werden könnte. Insofern wird das Bezahlen per App bzw. am mobilen Terminal steigen. Wir arbeiten an einem Konzept, das das eigene Smartphone oder Tablet zum Bezahlterminal aufrüstet – das wird sich für diesen Bereich als sehr nützlich erweisen können.

Noch eine private Frage zum Schluss – wie gehen Sie selbst mit den Beschränkungen um, z.B. Home Office?

Christine Bauer: Wir bei CCV hatten bereits vor Corona eine flexible Home Office Regelung, die aktuell zu 100% zur Anwendung kommt. Alle Kollegen, die ihre Arbeit von zuhause aus erledigen können, sind dazu angehalten, das zu tun. Unsere IT hat hier hervorragende Arbeit geleistet, der Umstieg verlief wirklich reibungslos, auch für unsere Hotline. Mir selbst gefällt das Arbeiten von zuhause nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr gut – ich war sehr viel auf Reisen und freue mich nun, dass ich meine vier Wände ausgiebig genießen kann. Über Video sind wir alle gut vernetzt. Ich hoffe, dass wir alle, und damit auch die Familien und Angehörigen, auf diese Weise schützen können und unseren Teil zu „#flattenthecurve“ beitragen können!


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