Sepa Instant Payments: Auch für stationären Handel und E-Commerce spannend.

von Florian Treiß am 09.Juli 2018 in News, Payment, Trends & Analysen

Zahlungen mit dem Smartphone könnten künftig auch über Sepa Instant Payments abgewickelt werden. Bild: CCV Deutschland

Bezahlungen in Echtzeit: Leider erinnert der elektronische Zahlungsverkehr auch im Jahr 2018 noch immer viel zu häufig an das BTX-Zeitalter – und Zahlungen per Überweisung oder Lastschrift sind oft tagelang unterwegs. Zwar haben viele Banken mittlerweile ihr Frontend für eine Überweisung aufgepeppt und bieten z.B. schicke Apps an. Doch es dauert noch immer eine halbe Ewigkeit, bis das Geld endlich beim Empfänger ankommt. Ein Unding im Zeitalter von „Instant Gratification“, der sofortigen Befriedigung von Bedürfnissen übers Smart­phone. Mit Sepa Instant Payments, die ab morgen auch für 50 Millionen Sparkassen-Kunden verfügbar sind, soll sich das nun ändern.

Endlich soll der elektronische Zahlungsverkehr so schnell werden wie die Zahlung mit Bargeld. Denn es ist schon absurd, dass das seit der Antike geltende Prinzip „Geld gegen Ware“ bei elektronischen Zahlungen nach wie vor nur selten gilt. Zwar kennen wir seit Jahren Sofortüberweisungen aus Thrillern, in denen Millionenbeträge per Knopfdruck und in Echtzeit auf Nummernkonten transferiert werden. Oder auch in kleinem Stil Sofortzahlungen von einem Paypal- zum anderen Paypal-Konto. Doch in der grauen Alltagswelt der europäischen Giro- und Kontokorrentkonten sieht es ganz anders aus: „Bei Überweisungen und Lastschriftverfahren liegen meist zwei bis drei Tage zwischen dem Bezahlen und dem Zeitpunkt, an dem das Geld auf dem Empfängerkonto eingetroffen ist. Bis dahin gehen Händler in das Risiko, dass ein Konto nicht gedeckt ist oder der Kunde eine Zahlung zurückruft“, erklärt Ercan Kilic, Abteilungsleiter Mobile Commerce + Financial Services bei GS1 Germany. Bei Sepa Instant Payments entfallen diese Risiken. Deshalb ist die neuartige Zahlungsform nicht nur spannend für Überweisungen von einer Person zu einer anderen Person (P2P), sondern birgt zugleich auch große Potentiale für stationären Handel und E-Commerce.

Nach jahrelanger Vorbereitung durch das European Payment Council (EPC) wurde Sepa Instant Payments Ende November 2017 Realität. Jedoch wurde es anfangs nur von wenigen Banken und Händlern unterstützt. Das könnte sich, u.a. durch die Einführung bei den Sparkassen, aber bald schon ändern, denn die Vorteile überwiegen: Sepa Instant Payments schreibt „eine sofortige und garantierte Verfügbarkeit der Mittel für den Zahlungsempfänger vor. Nicht erfolgreiche Überweisungsaufträge werden sofort zurückgewiesen. Für Instant-Überweisungen gilt ein Zeitlimit von max. zehn Sekunden ab Validierung des Auftrags durch den Zahlungsdienstleister des Zahlers. Grundsätzlich gilt das Verfahren bis zu einer Betragsgrenze von 15.000 Euro. Zahlungsdienstleister, die Instant-Überweisungen anbieten, müssen rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres für die Abwicklung dieser Zahlungen erreichbar sein“, fasst die Deutsche Bundesbank das Verfahren zusammen.

Deutschlands Händler sind von den Vorteilen der Sepa Instant Payments überzeugt, wie eine Expertenumfrage von GS1 Germany unter 37 großen stationären und Online-Handelsunternehmen zeigt: „Die große Mehrheit schätzt, dass Gutschriften sofort erfolgen, Interchange-Gebühren wegfallen und das Geld garantiert verfügbar ist“, erklärt GS1 Experte Ercan Kilic. Knapp 90 Prozent der befragten Händler stimmen darin überein, dass die Verringerung von Zahlungsausfällen ein wesentlicher Vorteil ist. Darüber hinaus können im E-Commerce Abläufe für den Versand beschleunigt werden. Die sofortige Liquidität ermöglicht wiederum neue Handlungsspielräume für Händler.

Somit spricht einiges dafür, dass Sepa Instant Payments das Ende des elektronischen Lastschriftverfahrens (ELV) einläuten könnten, das die genannten Vorteile nicht bieten kann. Jedoch ist es bis dahin noch ein weiter Weg, der nicht ohne Standardisierung von Prozessen gelingen kann. Denn noch fehlt einerseits die Unterstützung vieler Banken und Zahlungsdienstleister für Sepa Instant Payments, andererseits hat die Umsetzung der klassischen Überweisung Vorrang. Weiterhin fehlt noch ein einheitliches Verfahren direkt im Ladengeschäft: Am wahrscheinlichsten gilt die Verschmelzung mit Mobile Payment, so dass der Kunde eines Tages sein Smartphone an der Kasse zücken und darauf die Zahlung freigeben kann. Die Übertragung an die Kasse könnte via NFC, per QR-Code oder Bluetooth erfolgen – auch darüber gibt es noch keine finale Einigung. Selbst eine kartengebundene Lösung wäre denkbar, wenngleich dies etwas anachronistisch klingt.

Als wichtig bei einer Einführung im stationären Handel gilt auch das Thema Geschwindigkeit. Damit das Zahlverfahren aber konkurrenzfähig gegenüber Bargeld und NFC-Kartenzahlungen ist, wünschen sich viele Händler eine Abwicklung innerhalb von drei Sekunden. Das geht aus einem Whitepaper des Zahlungsdienstleisters Computop hervor.

GS1 Germany arbeitet aktuell zusammen mit Banken und Händlern im Rahmen einer Arbeitsgruppe intensiv an dem Thema, um Standards für die verschiedenen Prozesse zu vereinbaren. Im Fokus stehen dabei die Schnittstellen „Handel – Geschäftsbank“, „Smartphone – Kassenterminal/System am POS“ sowie „Smartphone des Verbrauchers – Hausbank des Verbrauchers (App)“. Die Arbeitsgruppe hat bereits erste Erfolge zu verzeichnen: Ludger Bieberstein von Rewe Systems und Giuseppe Di Ruocco vom Zahlungsdienstleister Ingenico präsentierten Anfang März 2018 vor der “MCC – Mobile Commerce Community“ bei GS1 Germany in Köln den Prototyp eines händler-basierten Instant Payments am POS , kurz genannt „HIPPOS“. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal von Hippos im Vergleich zu herkömmlichen Funktionsprinzipien für die Abwicklung unbarer Zahlungstransaktionen am POS ist die Auslösung des Zahlungsvorgangs durch den Kunden. Der Kunde aktiviert die App seines Smartphones und das Kassensystem überträgt die Bezahldaten via QR-Code oder NFC an das Mobiltelefon des Kunden. Dieser bestätigt die Zahlung in seiner App an seine Bank. Von der Bank des Kunden gehen die Daten an die Händlerbank und der Händler erhält binnen Sekunden die Mitteilung, dass der Betrag auf seinem Konto eingegangen ist.

„Der Zuspruch des Handels ist groß. Wir erleben in der Arbeitsgruppe eine starke Beteiligung an der Entwicklung beim Thema Sepa Instant Payments im Allgemeinen sowie an Hippos im Besonderen“, berichtet Ercan Kilic. So entstehen unter dem Dach von GS1 Germany derzeit unter anderem Spezifikationen für die Schnittstellen zwischen den einzelnen Parteien des Zahlungsvorgangs sowie Lösungen für das Einbinden von Mehrwertdiensten, wie zum Beispiel Loyalty-Programme. Ist das Konzept für Hippos dann fertig, soll noch in diesem Jahr ein Pilotprojekt die Umsetzung in der Praxis erproben. In das Projekt fließen die Ergebnisse einer parallel im Auftrag von GS1 Germany durchgeführten Studie zu Sepa Instant Payments ein. Der Austausch auf breiterer Ebene erfolgte am 29. Mai auf der Mobile Instant Payment Sitzung (MIPS) in Köln. Die Ergebnisse des möglichen Pilotprojekts und der Studie werden auf der Mobile in Retail Conference am 16. und 17. Oktober 2018 in Berlin vorgestellt.

Wie bei der Einführung eines jeden neuen Zahlverfahrens gilt letztlich: es muss am Ende vor allem einfach und sicher sein, damit es sowohl von Händlern als auch Verbrauchern angenommen wird. Dabei muss es bei Schnelligkeit und Komfort mit Bargeld oder NFC-Kartenzahlungen mithalten können. Wenn dies dank der Initiative von GS1 Germany gelingt, so hat Sepa Instant Payments die Chance, sich schon bald als neues Standard-Zahlverfahren am Point of Sale zu etablieren.

Zentrale Fragen und Antworten zu Sepa Instant Payments finden Sie hier. >>

Whitepaper

Dieser Beitrag erschien zuerst im Whitepaper „Mobile Payment & SEPA Instant Payments – die Zukunft im Zahlungsverkehr“ und wurde für die heutige Veröffentlichung leicht aktualisiert. Das Whitepaper können Sie hier kostenlos herunterladen!

Veranstaltungstipp

Mobile in Retail Conference 2018 – Seamless Shopping: Challenge für Finance, Brands & Retail

Am 16. und 17. Oktober 2018 treffen sich die Top-Entscheider und Führungskräfte aus Banking, Finance, Handel und Industrie auf der Mobile in Retail Conference in Berlin. Die Breakout Session Payment greift die Themen des Whitepapers auf und diskutiert neben nationalen und internationalen Mobile-Payment-Strategien die Zukunft und das Potenzial von SEPA Instant Payments für den Handel. Freuen Sie sich außerdem auf:

  • Brandneue Insights & Strategien zum Mobile Commerce
  • Hochkarätiges Speaker Line-up
  • Break-Out Sessions Payment, Omnichannel, Marketing
  • Networking-Abend mit dem Who is Who der Branche

Es erwarten Sie Vorträge von über 60 Referenten, u.a.:

  • Arne Pache, Vice President Global Products & Solutions, Mastercard
  • Jin Choi, Director DACH (CPG & Retail), Facebook
  • Christian Bärwind, Industry Leader Retail Strategic Partnerships, Google
  • Axel Weiß, Leiter Zahlungsverkehr/Payment, DSGV
  • Nicolas von Sobbe, Director Digital, McDonald’s
  • Claudius zur Linden, Director Business Development, Vapiano
  • Markus Gunter, CEO, N26 Bank

Das vollständige Programm können Sie hier einsehen. Melden Sie sich jetzt an und sichern Sie sich die Teilnahme zum Frühbucherpreis!


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