Handel im Wandel: Durch die Woche mit Nicolas von Sobbe von McDonald’s.

von Kay Ulrike Treiß am 19.September 2018 in Fragebögen, News

„Unsere Restaurants stecken voller Technologie“, sagte Nicolas von Sobbe, Digitalchef von McDonald’s Deutschland, im Juli auf der K5 Conference. Das Unternehmen steckt aktuell alle Energie in die Digitalisierung und Erneuerung seiner Filialen, um die junge Zielgruppe zu erreichen. Nicolas von Sobbe begann seine Laufbahn nach Studium der Medienwissenschaften bei der Kommunikationsberatung PLEON. 2010 wechselte er in die Kommunikationsabteilung von McDonald’s Deutschland, war dort Unternehmenssprecher und Bereichsleiter der Außenkommunikation. Vor zwei Jahren dann der Wechsel ins Digitalteam. Hier baut von Sobbe aktuell mit seinem Team das Thema e-Commerce und CRM auf (App, Web und Kiosk) und kümmert sich um die digitale Transformation der Customer Experience. Im Fragebogen von Location Insider gesteht er, dass REWE sein Vorbild im Stationärhandel ist, und verrät, von wem er sich zukünftig „am Geburtstag einen personenbezogenen kleinen Warenkorb per Post“ wünscht.

Location Insider: Wie würden Sie die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Nicolas von Sobbe: Das Wort „Digitalisierung“ kann scheinbar keiner mehr hören, was wundert, da sich der deutsche Handel ihr scheinbar nur unzureichend oder widerwillig stellt!

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Nicolas von Sobbe: Die Nachricht, dass Apple Pay bald nach Deutschland kommt, verbunden mit der Hoffnung, dass ein Argument mehr für den deutschen Kunden existiert, die Finger vom Bargeld zu lassen.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut?

Nicolas von Sobbe: Dass mein lokaler Bäcker Zöttl bargeldloses Bezahlen eingeführt hat. Cents sammeln für Brötchen gehört von nun an der Vergangenheit an.

Location Insider: Und worüber haben Sie sich geärgert?

Nicolas von Sobbe: Dass es außer REWE immer noch kein deutscher Supermarkt schafft, Lebensmittel bequem, einfach und mit vollständigem Sortiment nach Hause zu liefern.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Nicolas von Sobbe: Ich freue mich über jedes Gespräch an der Kasse im Supermarkt – auch über Unterwäsche :-).

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Nicolas von Sobbe: Tante Emma besuche ich, wenn ich Sehnsucht nach dem Gestern habe. Sonst: ein hypermoderner, vor neuen Produkten und Services nur so strotzender Supermarkt, der 24/7 geöffnet hat.

Location Insider: Chatbots, Sprachassistenten, Virtual Reality, Internet der Dinge – Welche Technologie optimiert aus Ihrer Sicht das Einkaufserlebnis für Kunden?

Nicolas von Sobbe: Alles hat seinen Reiz, solange es technisch end2end überzeugend und zuverlässig funktioniert und miteinander geschickt und intelligent verknüpft ist.

Location Insider: Verraten Sie uns Ihr Vorbild im Stationärhandel und warum der alles richtig macht?

Nicolas von Sobbe: REWE. Sie haben verstanden, was E-Commerce ist. So simpel ist das!

Location Insider: Ist Ihr Job für Sie Beruf oder Berufung?

Nicolas von Sobbe: Berufung!

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Nicolas von Sobbe: So nervig ist Mobiles Bestellen und Bezahlen per App bei McDonald’s…!

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn Sie es sich aussuchen könnten?

Nicolas von Sobbe: Der Supermarkt von morgen fokussiert sich auf sensorische und inspirierende Erlebnisse. Bezahlen findet natürlich „hands free“ automatisch beim Verlassen der Location statt. Internet of Things kümmert sich um die alltäglichen Pflichten des Einkaufens, während die Familie im Supermarkt nur lebensbereichendere Erfahrungen macht. Über intelligent verknüpfte Touchpoints kennt der Supermarkt meine Bedürfnisse, erlaubt mir Bestellungen, basierend beispielsweise auf Rezepten vorzukonfigurieren, berät mich aber vor Ort hinsichtlich der Auswahl der verschiedenen Optionen, beispielsweise einer einzelnen Zutat. Für meine Treue erwerbe ich mir kontinuierlich Loyalität, die ich in Form von exklusiven Events wie Tastings oder Erstverköstigungen einlösen kann. Als Premiumkunde weiß ich zudem, dass ich niemals einen schlechteren Preis zahle, als Ab-und-Zu-Kunden. Selbstverständlich bekomme ich von meinem Supermarkt am Geburtstag einen personenbezogenen kleinen Warenkorb per Post.

Location Insider: Vielen Dank für die spannenden Antworten!

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”.


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