„Bei B2B Commerce geht es um ein komplettes Business-Prozess-Reengineering“.

von Florian Treiß am 05.August 2020 in Interviews, News

Bruno Teuber ist seit Ende 2019 Chief Revenue Officer (CRO) von commercetools. Für unser neues Whitepaper rund um B2B Commerce haben wir mit ihm über die großen Potenziale von B2B Commerce gesprochen, der noch immer relativ weit am Anfang seiner Entwicklung steht und künftig immer stärker in Produktionsketten eingebunden werden dürfte. Eine Leseprobe.

Location Insider: Wie würden Sie B2B Commerce definieren? Und wieso ist das ein spannender Markt?

Bruno Teuber: Wenn wir von B2B Commerce sprechen, geht es grundsätzlich um den Austausch von Waren und Services zwischen Firmen. Dieser findet heute größtenteils online statt – im Gegensatz zum klassischen B2B-Handel, wo viel per Fax abläuft. Es ist ein extrem großer, breit gefächerter und schnell wachsender Markt, der alle möglichen Facetten davon beinhaltet, wie Unternehmen Industriegüter untereinander online austauschen.

Location Insider: Welche Rolle spielt denn B2B Commerce für commercetools? Wie viele Ihrer Kunden sind B2B-orientiert?

Bruno Teuber: Wir sind als Firma eher in der B2C-Welt entstanden und haben anfangs vorwiegend eine Technologie für Online-Shops im Consumer-Bereich zur Verfügung gestellt, mit der sich schnell, flexibel und unkompliziert selbst komplexe Shop-Konzepte umsetzen lassen. Von Anfang an haben wir unsere Plattform ständig weiterentwickelt, auch in Richtung B2B, so dass heute ein Großteil unserer Kunden aus dem B2B-Segment stammt. Dazu gehören verschiedenste Organisationen, die sehr unterschiedliche Prozesse mit einer Plattform wie commercetools abbilden. Auch wenn wir im B2B-Bereich das größere Marktpotential sehen, weiten wir sowohl B2B als auch B2C gleichermaßen aus.

Location Insider: Wie hat sich das ergeben, dass Sie mittlerweile so viele Kunden aus dem B2B-Bereich haben? Haben Sie das aktiv gepusht?

Bruno Teuber: Wir haben immer einen scharfen Blick auf die Entwicklungen im gesamten Markt. Und dort hat sich in den letzten Jahren das Verständnis von B2B verändert. Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen finden nicht mehr auf die „alte“, traditionelle Weise zwischen Verkäufer und Käufer statt, sondern verlagern sich mehr und mehr auf Marktplätze. Manche Firmen wickeln ihre Geschäfte zudem bereits über automatisierte Prozesse ab. Und hier bietet sich unsere Plattform natürlich als Lösung an, denn sie kann mit entsprechenden Microservices an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Wir haben das also nicht wirklich aktiv gepusht, sondern werden einfach mehr und mehr als passende Lösung in Betracht gezogen.

Location Insider: Wie kann man sich das B2B-Unternehmen denn vorstellen, das letztlich Lösungen von commercetools nutzen möchte? Können Sie bitte einen Einblick in die Funktionsweise von commercetools geben und wie das zur B2B-Logik passt?

Bruno Teuber: Wir sind grundsätzlich ein Use-Case-unabhängiger Anbieter, das heißt wir stellen eine Commerce-Plattform zur Verfügung, bei der das Backend mit dem Frontend über APIs verknüpft ist. Dadurch lassen sich völlig unterschiedliche Use Cases abbilden. Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, wie man das nutzen kann. Viele unserer Kunden haben beispielsweise ein regelrechtes B2B-Portal gebaut, über das Firmen ihre Produkte kaufen und an Konsumenten weiterverkaufen, beziehungsweise darüber bestellen lassen.

Die meisten unserer Kunden haben mittlerweile die gesamten Prozessabläufe über ihre Plattform automatisiert. Einige haben über unsere APIs sogar Maschinen oder Roboter angebunden, um Teile oder Komponenten genau dann zu produzieren, wenn sie über die Plattform bestellt wurden, also On-Demand-Production.

Location Insider: Das heißt umgekehrt gedacht: B2B Commerce bedeutet nicht nur, Onlineshops für B2B-Firmen aufzubauen, sondern das muss man weiter denken auch in Richtung Roboter und IoT?

Bruno Teuber: Ganz genau, aus meiner Sicht geht es um ein komplettes Business-Prozess-Reengineering, bei dem sich Firmen überlegen: Wie können wir die Prozesse automatisieren, die heute überwiegend noch manuell stattfinden – so z. B. Bestellungen und Kommunikation via E-Mail und Fax? Wir sind lediglich der Bereitsteller der Plattform. Aber die Use Cases, die da bei unseren Kunden gebaut werden, sind schon extrem spannend.

Location Insider: Die Stärke von commercetools sind API-basierte Lösungen fürs Backend, die auf Eigenentwicklungen Ihrer Kunden treffen. Wie passt dieser Ansatz zusammen?

Bruno Teuber: Unsere Plattform ist eine Abbildung der Transaktionslogik, also der Commerce-Komponente. Und die wird dann über API-Schnittstellen an alle möglichen anderen Bereiche angebunden. Das sind im Backend die klassischen ERP-Systeme wie SAP, Oracle etc., und die eher Frontend-orientierten Customer-Experience-Management-Systeme, die darüber angesteuert werden können. Wir stellen mit unserer Plattform heute über 300 verschiedene APIs zur Verfügung, mit denen ganz individuelle Infrastrukturen gebaut oder bestehende Lösungen ergänzt werden können.

Location Insider: Was sind für Sie die wichtigsten Trends und Herausforderungen für die nächsten Jahre im B2B-Commerce?

Bruno Teuber: In meinen Augen stehen wir erst ganz am Anfang der Automatisierung. In einen B2B-Prozess sind nicht selten Dutzende von Firmen involviert, bis dann am Schluss ein Produkt oder ein Service entsteht. Um diese zu vereinen, braucht es noch einen kräftigen Schub. Ich glaube, das wird in Zukunft noch viel weiter gehen, so dass ganze Prozessabläufe automatisiert werden können.

Dafür müssen aber viele Prozesse oder Teilprozesse einfach intelligenter aufgebaut werden, damit dieser End-to-End-Approach auch in einem Commerce-Ablauf umgesetzt werden kann und alle Bereiche in dieser Kette davon profitieren.

Location Insider: Vielen Dank für das Interview!

Lesetipp

Dieser Beitrag ist eine Leseprobe aus dem neuen Whitepaper: B2B Commerce – Wie B2B-Firmen ihr Geschäft digitalisieren. Mit freundlicher Unterstützung von commercetools liefern wir darin auf 40 Seiten einen Deep Dive in die Herausforderungen des B2B Commerce.

Die Themen im Überblick: 

  • E-Commerce-Plattformen für B2B – ein Marktüberblick
  • B2B Commerce für Nachzügler: Perfektion vs. Geschwindigkeit
  • Interview mit Supply-Chain-Fachmann Max Meister
  • Expertenumfrage zu B2B Commerce heute und morgen
  • Case Studies: Wie Franka Emika und TROX im B2B Commerce erfolgreich sind
  • Gastautor Robert Queck über die größten Herausforderungen im B2B Commerce

Gratis-Anforderung des Whitepapers „B2B Commerce“:

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